Mia Couto zu Gast in Köln

Mia Couto zu Gast in Köln

Der mosambikanische Autor Mia Couto ist an der Universität zu Köln zu Gast und wir stellen ihn vor.

Über Mia Couto

António Emílio Leite Couto, mit Pseudonym Mia Couto wurde als zweiter von drei Söhnen portugiesischer Einwanderer am 5. Juli 1955 in Beira Mosambik geboren und ist derzeit der weltweit bekannteste Schriftsteller seines Landes.

Sein Vater Fernando Couto arbeitete als Journalist für verschiedene Zeitungen, wie Notícias Beira und O Comércio do Porto, wo er er unter dem Pseudonym Pai Fernando auch seine literarischen Werke publizierte. Ferner war er für die drei Radiosender Aero-Clube da Beira, Rádio-Clube und Rádio de Mocambique verantwortlich.

Seine ersten Gedichte publizierte Mia Couto 1969 mit 14 Jahren in der Zeitung Notícias da Beira. 1971 begann er seine journalistische Tätigkeit bei der Zeitung Tribuna, sowie ein Medizinstudium, das er jedoch abbrach. Von 1974 an war er, wie sein Vater, als Journalist für die Zeitung Notícias tätig.

Mia Couto engagierte sich zu dieser Zeit bei der Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO), der Widerstandsbewegung gegen die Kolonialherrschaft Portugals. Nach der Machtübernahme der FRELIMO 1976 wurde Mia Couto mit 21 Jahren Direktor der staatlich kontrollierten Nachrichtenagentur Agência de Informação de Moçambique (AIM), für die er 10 Jahre lang als Journalist und Netzwerker arbeitete. Parallel dazu wirkte er als Herausgeber der Wochenzeitung Tempo bis 1981, und im Anschluss daran, bis 1985 für Notícias Maputo.

Im selben Jahr beendete er seine journalistische Laufbahn und begann Biologie zu studieren. Er spezialisierte sich auf Ökologie und lehrt heute als Ökologieprofessor an der Universidade de Eduardo Mondlane. Generell versteht sich Mia Couto eher als Biologe, denn als Schriftsteller.

Mia Couto war viermal verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Maputo.

Seine Werke

Die Werke Mia Coutos sind von brasilianischen Autoren wie Jorge Amado, und Carlos Drummond de Andrade, aber auch von portugiesischen Schriftstellern wie Fernando Pessoa beeinflusst.

Seine Erzählungen charakterisieren die inhaltliche Nähe zum lateinamerikanischen Magischen Realismus, sowie zahlreiche Wortschöpfungen, wie die „Estórias Abensonhadas“, eine Kombination der bestehenden Begriffe „Estórias“ (Geschichte/Erzählung) und abensonhada (Mischung von „gesegnet“ – abençoado – und „geträumt“ – sonhado).

Sein Werk wird sowohl durch eine für Mosambik typische, mündliche Kultur, als auch durch Neologismen gekennzeichnet, die spezifisch auf das mosambikanische Portugiesisch verweisen. Darüber redet der Schriftsteller Colono da Silva in der Dokumentation „O desenhador de palavras“:

„Es gibt viele gute kultivierte Schriftsteller, die sich von dieser Mündlichkeit entfernen. Mia Couto dagegen lässt sich von dieser mündlich geprägten Kultur beeinflussen. Und das in diesem Land, in dem die Bevölkerung erst nach der Unabhängigkeit alphabetisiert wurde. (…) ‚Vozes Anoitecidas‘ ist ein Paradigma, wie ich es nenne.“ (10:59)

„Vozes Anoitecidas“ (1986) ist eine Sammlung von noch nicht ins Deutsche übersetzten Kurzgeschichten. Sein erstes publiziertes Werk ist jedoch ein Gedichtband, Raiz do Orvalho, von 1983.

Für sein Meisterwerk „Terra Sonâmbula“ (1992) wurde er 2002 von einer internationalen Jury als einer der zwölf besten afrikanischen Schriftsteller beurteilt, und 2013 bekam er für sein Buch „A confissão da Leoa“ (2012) den Literaturpreis Camões, und wurde damit der zweite mosambikanische Preisträger.

Seit August 1998 ist er internationales Mitglied der Academia Brasileira de Letras.

Imani

„Mulheres de cinza“ (2015, dt. „Imani“) ist das neuste Werk des mosambikanischen Schriftstellers. Das Buch ist der erste Teil der Triologie „As areias do Imperador“.

Die Geschichte spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Dort kommt der portugiesische Offizier Germano de Melo nach Mosambik um gegen Ngungunyane, den letzten Machthaber des Imperiums Gaza, vorzugehen, da sich Portugal durch dessen Anwesenheit in der Kolonialherrschaft bedroht sieht. Dort lernt er das Mädchen Imani kennen, deren zwei Brüder zwei sehr unterschiedliche Leben führen. Der eine kämpft auf Seiten der Krone Portugals, während sich der andere den Stammeskriegern unter Ngungunyane anschließt.

Diese ineinander verschwimmenden Welten eröffnen dem Leser eine überraschend neue Perspektive auf erschreckend zeitlose, wirre Verflechtungen und blutige Konflikte und geben ihm die Möglichkeit einer neuen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Mit Imani greift Mia Couto die historische Thematik Mosambiks auf und bringt sie dem Leser auf eine vielfältige und fantasievolle Art näher.
Am 25. April 2018 wird der Autor an der Universität zu Köln um 15.30 Uhr im Hörsaal E über „Imani“ sprechen. Später findet im Literaturhaus um 19.30 Uhr eine Lesung seines Werks statt. Mehr Infos hier.

 

 

Zur Übersetzerin:

Karin von Schweder-Schreiner wurde 1943 in Posen geboren und studierte Portugiesisch und Französisch am Auslands- und Dolmetscherinstitut in Germersheim. Für ihre Übersetzungsarbeit von portugiesischsprachigen Werken, wie z.B. von Jorge Amado, Chico Buarque, Rubem Fonseca und mehr und zu denen auch das Buch „Imani“ zählt, wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

 

Quellen:

https://www.publico.pt/2013/06/07/jornal/a-escrita-e-uma-casa-que-visito-mas-onde-nao-quero-morar-26618777

https://pt.wikipedia.org/wiki/Mia_Couto

https://www.travessa.com.br/mulheres-de-cinzas/artigo/3f795c21-950b-4faf-bad6-68b2816ff1f7

http://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=7586

http://www.deutschlandfunkkultur.de/mia-couto-imani-vermittlung-zwischen-den-welten.1270.de.html?dram:article_id=391817

http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=1711

https://www.randomhouse.de/Autor/Karin-von-Schweder-Schreiner/p25873.rhdhttp://www.die-horen.de/autoren/karin-von-schweder-schreiner.html

Autoren: Bruna Kaori de Almeida, Vanessa Hofrichter, Marvin Lampe, Birgitt Markus, Elisabeth Niemöhlmann, Ingride Pereira de Sá Guedes, Camilla Wolff

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